Coronavirus: Warum ein Jahr ohne Festivals ziemlich traurig ist

Sophie Passion & Desire Festivals & Musik
Dass, was wir hier mit dem Coronavirus weltweit erleben, ist neu und jeder hat dadurch seine persönlichen Einbußen. Seien sie noch so klein.

Ich möchte betonen, dass ich froh bin, gesund zu sein und meine Familie ebenfalls gesund zu sehen. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch sehr traurig bin, auf viele schöne Events und Reisen verzichten zu müssen. Wir müssen nicht gleich in ausartendes Selbstmitleid versinken.

Daher: Trotz unseres Wissens um die Weltlage und die tragischen Situationen wie zum Beispiel die in Italien, dürfen wir auch unsere eigenen kleinen Verluste bedauern. Dadurch können wir damit abschließen und sie uns innerlich für nächstes Jahr zurechtlegen. Ein Beispiel: Für meine Freunde und mich sind große Musikveranstaltungen, ob Festivals oder Straßenparaden, die Highlights des Jahres. Kaum ist eines zu Ende, kaufen wir neue Tickets, haben Bauchkribbeln und freuen uns bereits auf das nächste Jahr. Vergleichbar mit Fernweh und Vorfreude auf große Reisen oder Urlaube.

Und dann, von jetzt auf gleich, kann es bald für jedes einzelne heißen: Gestrichen.

Einige mögen mich für verrückt halten, aber es zieht sich mir tatsächlich ein wenig das Herz zusammen. Jeder, der mit so einer Leidenschaft für eine Sache brennt, kann es nachvollziehen. Die Vorstellung, erstmals darauf verzichten zu müssen, ist absurd. Verzichten auf diese Tradition. Dieses Gefühl. Auf dieses friedliche Zusammenkommen von Menschen, die alle aus denselben Gründen da sind:

Musik. Liebe. Gemeinschaft.

Die Festivalzäune grenzen die Erde da draußen von der musikgefüllten Blase innerhalb der Gatter ab.  Die Menschen in dieser Blase leben für ein Wochenende in einer ganz anderen Welt - fernab der Realität. Geflüchtet, um den Kopf frei zu tanzen, um einmal keine Informationsflut an Schlagzeilen zu lesen, um für ein Wochenende nur Freude und Lebenslust zu spüren. Es ist die schöneste Zeit im Jahr. Sommer, Musik, Freunde und Fremde, die für ein paar tagenzu Freunden werden, als würde man sich shcon ewig kennen. Man ist plötzlich gleich. Es existiert ja nur die Musikwelt, in der sich alle gerade befinden. Dieses gefühl ist unbeschrieblich.

Es wäre genau das Richtige nach so einer Krise. Nur ist es noch nicht „Danach“. Ein Hoffnungsschimmer hakt sich dennoch ganz hinten im Kopf fest, entpuppt sich nach und nach aber doch eher als Luftschloss. Die Kollegen von „Vice“ haben die Gefühle gut zusammengefasst: Letztendlich sollten wir uns diesen Sommer wohl nicht aus der Realität flüchten, sondern uns ihr knallhart stellen.