Teil der Crew - Teil des Schiffs

AIDA Abenteuer

Erste Hilfe-Dummy und ich.

Simulierte Hubschrauberrettung am Kran.

Erste Hilfe Kurs

Probeanziehen einer Feuerwehrausrüstung, Stichflamme und unser Feuerwehrmann.

Im Rettungsboot nach der Evakuierungsübung.

Meine Erwartungen an das Training für Sicherheit an Bord waren sehr gering. Das, was ich am Ende der Woche fühlen und denken würde, hätte ich vorher nicht gedacht. Ich hatte anfangs keine Ahnung, was da auf mich zukommen sollte. Ich hatte auch eher weniger Motivation, eine Woche lang jeden Tag acht Stunden in dem maritimen Kompetenzcetrum in Hamburg zu sitzen und zu lernen. Ich wusste nur, dass es Pflicht ist, eine Einweisung mit praktischen Übungen zu bekommen, um im Ernstfall gut vorbereitet zu sein. So weit, so gut.

Die Kosten für dieses einwöchige Training übernimmt übrigens AIDA und solange man mindestens sechs Monate (muss nicht am Stück sein) an Bord arbeitet, muss man es auch nicht zurückzahlen.

Die Woche ist jetzt vorbei und wir haben uns gestern alle voneinander verabschiedet.

Dass ich eine Gruppe innerhalb von einer Woche so ins Herz schließen kann, dass ich am Ende sogar ein paar Abschiedstränen verdrücken musste (ja, ich bin sehr emotional veranlagt), hätte ich nicht gedacht.

Aber kein Wunder, denn es war wirklich immer ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl und Teamfeeling. Es war super lustig, ich habe so viel gelacht. Alle haben sich gut verstanden, es gab keine Ausfälle. Es war ähnlich zu meinem Assessment-Center-Tag, von dem ich auch sehr begeistert war, da die Leute so aufgeschlossen, herzlich und nicht aufgesetzt waren. Es gab auch eine weniger stark ausgeprägte Grüppchenbildung, wie man das sonst aus größere Gruppen kennt, sondern jeder hat sich mit jedem unterhalten. Alle waren neugierig darüber, was die anderen machen werden, welche Route auf welchem Schiff gefahren wird. Niemand war ansatzweise abgehoben, unsympathisch oder eingebildet. Ganz im Gegenteil. 

Zu dieser tollen Gruppendynamik hat auch unser Trainer beigetragen.

Meik ist super locker mit uns umgegangen. Er hat auch einen Sushiabend für alle vorgeschlagen, an dem wir gemeinsam im All-you-can-eat gegessen und getrunken haben und anschließend feiern waren. Das stärkt natürlich auch nochmal das Gruppengefühl. Er hatte außerdem viel Insiderwissen und viele Tipps und Tricks für das Leben und Arbeiten an Bord parat. Dadurch hat er uns echt viele unserer Sorgen genommen. Ein schönes Zitat von ihm wie ich finde ist folgendes:

"Jeder auf dem Schiff hat einen kleinen Knall und das verbindet uns dort."

Damit meinte er, dass viele dort "wandernde Seelen" seien, die mehr wollen als nur an einem Ort zu bleiben. Das sagte er mir, während wir von einem Kran an einem Seil hängend in die Luft gehoben wurden, um eine Helikopterrettung zu simulieren. Er erzählte viel über das Leben an Bord, auch außerhalb der Arbeitszeit. Er riet uns mehrmals, nicht zu vergessen, dass wir auch nur Menschen und keine Maschinen sind. Wir sollten uns an Bord in den freien Minuten etwas Gutes tun.

Sei es den Sonnenuntergang betrachten, einen Cocktail genießen, eine Massage bekommen oder einen Ausflug, sei es nur für zwei Stunden an Land zu machen.

Außerdem bekäme fast jeder einen kleinen Blues nach ein bis zwei Wochen, da so viel Neues auf einen einprasselt und man schon einem enormen Druck ausgesetzt sei. Gerade in dieser Situation sollen wir uns sagen, dass es nur menschlich ist und wir uns selbst nicht vergessen dürfen neben all der Arbeit.

Es gibt keinen Sonntag, jeder Tag ist ein Montag.

Und damit gilt auch nicht mehr die Aussage, dass Montage blöd sind. Sonst hätte man keine schöne Zeit mehr. Jeder Tag hat das Potenzial schön zu werden, egal ob es nun ein Sonntag oder Montag ist. Man muss es nur zu einem schönen Tag machen. Am Ende unseres Vertrags, also beim Abstieg vom Schiff sollen wir, so Meik, mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. Würden wir nur lachen und froh sein, dass es vorbei ist, hätten wir während der Zeit nicht genug auf uns selbst geachtet. Würden wir nur weinend gehen, wäre das ebenfalls nicht ganz richtig. Draußen an Land sei die Realität und zu der solle man den Bezug nicht verlieren. Das Leben an Bord ist einfach wie eine kleine, andere Welt.

Teil der Crew – Teil des Schiffs: Zusammenhalt großgeschrieben

Es war sehr spannend und ich kann kaum glauben, dass ich in nur sieben Tagen selbst ein Teil der Crew und ein Teil des Schiffes sein werde. Ich bin sehr gespannt, ob es dort auch so ein unglaubliches Teamgefühl und diesen Zusammenhalt geben wird, wie ich es nun erleben durfte. Schade, dass nicht alle aus dieser Gruppe auf ein und das selbe Schiff gehen, sondern aufgeteilt werden. Es war aus jedem Bereich jemand da: Rezeption, Gastronomie, Scout, Tauchleiter, Video-Operator, Tänzer, Sänger und und und... Und natürlich die Gastgeber, zu denen ich gehöre. Wir gelten, so habe ich diese Woche herausgefunden, als die kleinen „Partymäuse“, da wir die Abende meistens damit verbringen, die Gäste in der Brauerei, Bar und Diskothek zu unterhalten. Es kann gut sein, dass wir vormittags eine Volleyball-Session betreuen und dann erst abends bis zur Sperrstunde um zwei Uhr Quiz- und Karaokeabende moderieren oder auf den zahlreichen Mottopartys anwesend sein werden. Es wird also ein sehr kommunikativer Job und ich stelle es mir herausfordernd vor, so viel Zeit mit neuen Kollegen und wechselnden Gästen zu verbringen. Ich werde berichten.

Sicherheit an Bord erreicht verstärkte Relevanz

Bis vor einigen Jahren war die Sicherheitsgrundausbildung zwar vorhanden, hatte aber nicht ganz so starke Ausprägung und Wichtigkeit wie heute. AIDA oder auch das Dachunternehmen Carnival Corporations investiert nun pro Person fast 500 € für diese Ausbildung. Wir haben jeden Tag einen anderen Bereich behandelt und am Ende einen kleinen Test dazu geschrieben. Aber alles ganz easy, ohne großen Prüfungsdruck. Wir lernten den Ablauf vom ersten Alarm schlagen über die Evakuierung, die Sicherheitssprache und Anweisungen bis zur Evakuierung. Wir übten es, Gäste (eine andere Gruppe) bis ins Rettungsboot zu bringen. Diese Gruppe bestand hauptsächlich aus Amerikanern, die Sänger und Schauspieler an Bord werden; das Showensemble also. Und so verhielten sie sich auch. Sie machten es uns extra etwas schwer, damit wir für den Ernstfall gewappnet waren. Sie büxten aus, waren verwirrt, hörten nicht auf Anweisungen… Aber wir meisterten die Situation als Team.

Ein weiterer Tag bestand aus Feuerübungen: Verhalten bei Rauchbildung, Feuer löschen oder eine vermisste Gruppe in verqualmten Räumen ausfindig machen. Dazu mussten wir einen Plan machen, uns aufteilen und immer über Funk absprechen. Zwei Leute waren die Rettungsleiter, der Rest die Sucher. Eine spannende Übung. Zwei Tage bestanden aus Theorie zu Themen wie Security, Sicherheit, Rettungsmaßnahmen, Umgang mit panischen Menschen, Hygiene und vielem mehr. Wir üben eine Hubschrauberrettung, hatten einen Erste Hilfe Kurs, kletterten eine Rettungsleiter am Schiff herauf und schwammen mit Kleidung und Rettungsweste. Wir mussten mit Lifejacket und Overall vom Turm in das Schwimmbecken springen und in eine Rettungsinsel auf dem Wasser klettern. Wir üben unterschiedliche Hilfsformationen im Wasser, um möglichst lange in kaltem Wasser zu überleben oder schwache Menschen überleben zu lassen.

Das alles war sehr interessant und spannend, aber auch wirklich anstrengend und viel Input. Aber da wir uns alle so gut verstanden, halb so wild. Jetzt ist auch diese Woche wie im Flug vergangen und es sind nur noch wenige Tage bis zu meinem Flug nach Gran Canaria am 19. Januar. Dort übernachte ich eine Nacht im Hotel und werde am 20. Januar zur AIDAstella gefahren. Das alles wird von meinem neuen Arbeitgeber organisiert. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.