Nach eineinhalb Monaten - Ein Rückblick

AIDA Abenteuer

Meine Zeit auf der AIDA Stella ist nun fast vorbei. Zwei Wochen sind es jetzt nur noch bis ich auf die Nova wechseln werde. Da ich leider immer viel zu wenig Zeit und zu schlechtes Wlan habe, kamen nicht so viele Einträge und Bilder. Aber jetzt ist es an der Zeit eine Zusammenfassung des bisher Erlebten zu schreiben.

Nach diesen sechs Wochen fühle ich mich so langsam wirklich wohl. Wenn ich es mit nach zwei Wochen oder vier Wochen vergleiche, wo ich auch schon meinte, mich eingelebt zu haben, ist jetzt dieser Zustand eher erreicht. Aber leider gehe ich ja dann auch in zwei Wochen schon wieder. 

Wie ist der Alltag für einen Gastgeber?

Nachdem ich jetzt allmählich die Strukturen und Abläufe verinnerlicht habe, fühle ich mich natürlich auch sicherer hier. Der Tag für einen Gastgeber beginnt an Seetagen zwischen neun und zehn und an Landtagen später. Die Aktionen starten da erst am Nachmittag, aber man dekoriert vormittags auf oder ab, schreibt den nächsten Wochenplan oder organisiert sich. Das heißt so einen komplett freien halben Tag hat man ganz selten. Aber auch das kommt vor. 

Seetage sind für uns Gastgeber vollgepackt mit Aktionen, um die Gäste zu unterhalten. Dazu gehören Kennenlerntreffs, wie das Alleinreisendenfrühstück, das Kennenlernen zum Abendessen, ein Treff für 20-30-jährige oder einfach Sport- und Spieletreffs, bei denen wir die Gäste connecten und auch selbst mitmachen. Wir haben Darts, Shuffleboard, Boccia oder Volleyball im Programm und wechseln uns da wöchentlich bei der Durchführung ab. Boccia ist zb. sehr unbeliebt, da hier fast nie jemand kommt. Shuffleboard und Darts ist sehr cool, da man am Ende der Woche eine tolle Gruppe kennengelernt hat, die regelmäßig mitgespielt hat. Hier auf dem Schiff ist es super leicht, neue Leute kennenzulernen. Das Angebot dafür stimmt und es ist nunmal eine kleine Fläche, auf der man sich immer wieder begegnet. 

Dann haben wir noch Aktionen auf dem Pooldeck, wie den Poolgarten oder Aktionsspiele, bei denen wir viel moderieren. Beim Poolgarten interviewen David und ich ähnlich zum ZDF Fernsehgarten Mitarbeiter vom Schiff aus verschiedenen Abteilungen, um sie den Gästen vorzustellen. Macht echt viel Spaß. Genauso wie das Offiziersshaken. Hier moderieren wir dieses Event an und machen zwischendrin Späße mit den Offizieren, die die Cocktails mixen. Wir haben auch Aufgaben, bei denen wir weniger im Mittelpunkt stehen oder die weniger konkret sind. Dazu gehört zb das socializen bei Abendverantstaltungen und Partys. Dann gibt es auch noch das Alpenglühen. Eine Schlagerveranstaltung mit Maßkrugstemmen und Nageln. Hier moderieren wir teilweise, haben aber hauptsächlich auch die Aufgabe uns zu unterhalten und zu tanzen. Unser Tag geht zwar manchmal später los, aber dafür immer bis Mitternacht oder länger, da wir eben auf den Partys präsent und am Gast sein sollen. Wenn man sich dann ausclockt (Zeitmessung ist hier elektronisch) hat man manchmal auch noch Lust privat ein wenig zu feiern. An einigen Abenden geht man aber auch einfach in Bett. Ganz privat ist man als Gastgeber nie unterwegs. Man hat immer die Pflicht, die Gäste nicht zu ignorieren und mit einzubeziehen. Mal mehr mal weniger. Aber das finde ich ok. Solange es nicht so gezwungen ist, fällt es mir auch sehr leicht. 

Zwischendrin haben wir mehr oder weniger Zeit, auch mal zu entspannen, Pause eben. Oft ist es so, dass man einfach nur schlafen möchte. Da geht man auch lieber eine Stunde schlafen, als zb zuhause anzurufen oder oben auf dem Deck zu sitzen. Es klingt vielleicht nicht so anstrengend, aber ich kann sagen, dass jeder Job hier anstrengend ist. Auf seine Art und Weise. Ich habe riesen Respekt vor dem Housekeeping und den Bar- und Restaurantleuten. Aber auch wir haben wirklich viel zu tun, auch wegen vieler Nebenaufgaben, die schon schlauchen können und den Tag füllen. 

Was empfinde ich als schwierig und was sind meine Lieblingsaufgaben?

Am liebsten ist es mir, wenn ich mit kleinen Gruppen zusammen bin bzw. diese zusammenbringe, mich unterhalte und am besten auch die Woche über immer wieder treffe und mich mit diesen beschäftige. Zb beim Shuffleboard, Darts oder den Kennenlerntreffs. Ich habe schon so tolles Feedback bekommen und das motiviert einen nochmal und bestärkt mich darin, dass ich das gut mache. Mir macht es mittlerweile auch Spaß diese lockeren Aktionen wie Poolgarten oder Offiziersshaken mitzumoderieren. Hier ist es nämlich nicht in meiner Verantwortung, die Stimmung der Gäste auf einen bestimmten Punkt zu lenken. Klar, man soll Stimmung und einen Spannungsbogen erzeugen, aber in einem anderen Maß als zb. bei einem Event im Brauhaus, wo es das Ziel ist, den Gästen eine riesen Sause zu ermöglichen. Hier muss man außerdem Sprüche reißen, die teils echt derbe sind und dabei fühle ich mich eher unwohl. Das wäre dann unauthentisch. Ich bin dankbar, dass meine beiden Kollegen Franzi und Benji das übernehmen. Auch wenn sie es selbst nicht mögen, machen die es so toll und bekommen super Feedback! 

Was ich noch als schwierig oder angenehm empfinde

Ich finde es schwierig, wenn man eine Woche lang sehr coole Gäste hatte, den neuen dann direkt am nächsten Tag eine Chance zu geben. Anfangs war es schwierig, sich wieder völlig auf die Neuen einzulassen und nicht zu denken:“Ach, niemand ist so cool wie die letzten.“ Ich bin bisher nicht genervt von den Gästen. Ich verbringe gern meine Zeit mit denen, die mir sympathisch sind. Man hat ja nie mit allen 2000 etwas zu tun, aber mit denen die man mag, unterhält man sich immer wieder. Schwierig finde ich es auch am ersten Tag der Anreise bei der Willkommensparty Smalltalk zu halten und erste Kontakte zu knüpfen. Es ist immer eine kleine Überwindung, aber meistens findet man dann Grüppchen, mit denen man sich gut versteht und kann aufatmen. Spaß macht mir auch die Welcomelounge tagsüber am Anreisetag. Da erklären wir zwar bis drei Stunden den einzelnen Gästen das Wlan, aber man kann sich einen ersten groben Überblick über die Art der Gäste verschaffen und einen guten ersten Eindruck bei ihnen hinterlassen. Klappt immer sehr gut. 

Wie habe ich mich entwickelt? 

Ich bin auf jeden Fall selbstbewusster geworden. Sei es untereinander im Team oder eben in Bezug auf die Gäste. Auch beim Moderieren werde ich sicherer. Das geht bei mir nicht von jetzt auf gleich. Jetzt fühle ich mich echt langsam wohl, kenne die Crew. Echt schwierig, dass ich Wechsel und mich dann erneut wochenlang einleben muss auf einem doppelt so großen Schiff. 

Was habe ich für Highlights erlebt?

Es gab tatsächlich viele Highlights. Bei denen denkt man sich dann:“ Ja. Ich habe alles richtig gemacht.“ Ausnahmslos alle Ausflüge und Landgänge zähle ich zu meinen Highlights. Das ist ja der größte Grund, warum ich hier bin. Neue Orte entdecken, da arbeiten, wo andere Urlaub machen. Und ich hab echt schön schöne Ausblicke gehabt, leckere Tapas gegessen, Natur bewundert, niedliche Städte besucht, Parks voller Blumen angeschaut und und und. Und ich habe ja noch drei Monate für noch mehr Landausflüge Zeit. 

Ein Highlight sind außerdem einige meiner Gäste gewesen. Mit manchen kann man so tolle Gespräche führen. Mit anderen kann man super feiern und Spaß haben, mit anderen fühlt man sich einfach so, als wär man befreundet und wenn man dann Rückmeldung bekommt, dass die das ebenfalls so empfunden haben oder man deren Urlaub so schön gemacht hat, kann man nur lächeln. 

Ein weiteres Highlight war der Kapitän in der Disco auf der Tanzfläche. Umringt von der Crew und den Gästen tanzte er erst etwas verhalten, kam dann aber aus sich heraus und legte unter Johlen und Klatschen eine heisse Sohle aufs Parkett. Das war so ein super Moment, wie alle im Kreis standen und jubelten und klatschten. Man kennt den Kapitän ja eher als eine große Respektperson. Jeder hat Respekt. Und dann tanzt er einfach mal locker. Das hat ihn nochmal sehr sympathisch gemacht. 

Mein letztes erwähnenswertes Highlight passierte während ich morgens auf dem Außendeck 5 Shuffleboard spielte. Das Meer war ganz glatt und wir liefen gerade aus dem Hafen in Funchal aus. Plötzlich rief einer: „Delfine!!!“ ich hab sofort geschrien vor Aufregung und da waren sie. Eine ganze Schule kleiner Define glitt unten neben dem Schiff durchs Wasser. Zwischendurch sprangen sie parallel heraus, drehten sich oder glitten einfach nebenher. Einmal sprangen fünf nebeneinander hoch. Es war so schön! Vor allem hatte ich an dem Morgen, 30 min früher, mit einem Gast gesprochen, dass ich seit ich hier arbeite Ausschau halte und plötzlich waren sie da. Einen Tag später am Abend spielte ich wieder dort und die Sonne ging gerade unter, da sah ich weiter weg eine Gruppe Schweinswale durchs Wasser gleiten. Wahnsinn! 

So viel erstmal zu meinem Resümee der ersten Wochen. Hier ist nicht alles einfach, aber man lernt damit umzugehen und man weiß, dass alle um einen herum das gleiche erleben und das schweißt einen schon echt zusammen.