Malediven - Türkis weißer Traum mit kleinem Beigeschmack

Explore the World

Ein Schwarm Stachelrochen schwebt vorbei.

Riesige schwarze Fische werden hier abends angefüttert.

Ich liebe Sonnenuntergänge und würde mich nie an ihnen satt sehen.

Der weiße Strand besteht aus Korallenresten.

Meine Reise neigt sich dem Ende zu und für uns steht ein weiteres Highlight an: Drei Tage auf den Malediven in einem Sechs-Sterne Resort. Einerseits freute ich mich natürlich der darauf, andererseits bedeutet das das Ende der vierwöchigen Rundreise. Ok, danach stehen noch zwei Tage Colombo auf dem Programm, aber ihr wisst, was ich meine. 

Kritischer Blick auf die Hintergründe des Tourismus

Mit den Malediven habe ich mich vorher nicht auseinandergesetzt. Habe nichts dazu gelesen oder mich über die Gegebenheiten der Inselkette informiert. Mit dem Wort Malediven verbinde ich automatisch Bilder von türkisfarbenem Wasser, weißen Stränden, kleinen Inseln, Korallenriffen und Palmen. So, wie wahrscheinlich jeder im ersten Moment. Einen Tag vor Abflug las ich das erste Mal ein paar Artikel zu unserem Urlaubsort. Und wenn man das tut, sieht man das Ganze doch mit etwas anderen, ja kritischen Augen. Ich nehm mal vorweg, dass ich die Zeit im Luxushotel trotzdem in vollen Zügen genieße und dankbar bin, hier sein zu können. Und dennoch denke ich oft an die vielen äußeren negativen Umstände in Zusammenhang mit den Malediven. Dazu gehört Umwelt & Umweltschutz, Politik und Religion.

Was ich sehr erschreckend fand, ist die Tatsache, dass es eine Müllinsel gibt, auf der Vieles, auch Plastik, abgeladen und verbrannt wird und zusätzlich Altöl und andere umweltschädliche Stoffe von den Schiffen in das Meer versenkt wird. Das passiert natürlich auch anderswo, aber da ich mit den Malediven nur Positives assoiziert habe, war es etwas erschreckend. Es gibt außerdem die Regelung, dass die Inseln nur bis zu 20% bebaut werden dürfen, aber eingehalten wird das selten. Kontrollen gibt es für diese Regeln nicht. Sie existieren nur auf dem Papier, werden aber selten strafrechtlich verfolgt.

Klimawandel: Korallenriffe, Korallenbleiche, Korallensterben

Auf unserer Insel Vadoo, die nur 200 m lang und 100m breit ist, sind wir umgeben von Korallenriffen. Oder soll ich sagen WAR man umgeben. Jetzt kann man zwar auch rund um die Insel schnorcheln und viele Fische darunter Riffhaie und Stachelrochen beobachten, aber das Korallenriff ist abgestorben. Damit meine ich nicht nur die vorherschende Korallenbleiche, die wenn ich schätzen müsste bestimmt 90% der Korallen hier befallen hat, sondern auch einfach schon große Teile mit zerstörten, am Boden liegenden Korallenresten. Dort schwimmen dann auch nur vereinzelte Fische. Kommt dann wieder eine Stelle, wo noch größere dennoch bleiche Korallen stehen, wächst auch die Fischanzahl. Es ist trotzdem wahnsinnig cool hier zu schnorcheln, aber die Vorstellung, wie das mal ausgesehen haben muss im Vergleich zu jetzt, bedrückt schon etwas. Es muss wahnsinnig schön gewesen sein...

Grund dafür ist der Klimawandel, da die erhöhten Temperaturen dazu führen, dass die Koralle keine Symbiose mehr mit bestimmten Einzellern eingeht und dadurch ihre Farben verliert. Unter anderem ist natürlich auch direkt der Mensch Schuld, der mitten in die Riffe seine Hotels reinstellt und bei dem Bau viel zerstört.

Auch Touristen, die unbeabsichtigt oder bewusst Teile abtreten oder brechen, tragen zum Verlust bei. Viele Inseln werden außerdem vergrößert und künstlich aufgeschüttet, wobei ebenfalls ein großer Teil zerstört wird und verloren geht. Der Klimawandel hat aber nicht nur negative Auswirkungen auf die Meeresbewohner, sondern stellt eine große Gefahr für die Menschen und die Inseln selbst dar. Angeblich sollen die Inseln, die im Schnitt nur einen Meter über der Wasseroberfläche liegen und bis Ende des Jahrhunderts nicht mehr bewohnbar sein. Die Regierung ist schon auf der Suche nach neuen Ansiedelungsorten, wie z.B. Australien.

Religionsfreiheit? Islam als Staatsreligion

Bei der Aussiedelung sehe ich ein Problem in Zusammenhang mit Religion und Kultur. Denn die Malediven sind ein streng muslimisches Land und mit streng meine ich streng. Nur wer sich zum Islam bekannt, bekommt die maledivische Staatsbürgerschaft. Andere Religionsausübungen werden nicht toleriert, auch kommt oder kam es zu Diskriminierungen von Andersgläubigen. Wichtige antike Relikte von früheren Religionen auf den Inseln, die teilweise in Museen gelagert wurden, wurden von Kriminellen zerstört.
Mittlerweile ist es Touristen erlaubt, auf einigen local-islands zu übernachten. Dennoch sollen Insulander und Außenstehende so wenig wie möglich miteinander in Kontakt kommen. Normalerweise gab es getrennte Inseln für Bewohner und Besucher. Die Besucherinseln sind dann westlich geprägt und hier darf der Tourist dann auch in Bikini baden. Und auch nur hier ist es den Maledivern erlaubt, Touristen am Strand zu sehen. Auf den local-islands gibt es inzwischen an bestimmten Orten Touristenstrände, die mit hohen blickdichten Zäunen zu den Einheimischenstränden abgetrennt sind. Alle Frauen der Malediven müssen vollverschleiert sein und auch im Burkini ins Wasser gehen. Die Einfuhr von christlichen Gegenständen wie die Bibel ist verboten. 
Wenn die hier also alle so darauf getrimmt werden, dass es nur eine Religion gibt und alle anderen nicht tolerierbar sind, frage ich mich, was wäre, wenn die Bewohner tatsächlich einmal auswandern müssen in Länder, die deutlich toleranter sind. Auf den Malediven entsteht bzw. besteht laut der WELT eine hohe Anzahl an radikal islamistischen Gruppen. Sollte eine Zwangsauswanderung stattfinden, müsste die Bevölkerung erst einmal klar gemacht bekommen, dass andere Religionen ebenbürtig sind. Aber bis das soweit ist, dauert es ja noch. Oder hoffen wir mal, dass der Meeresspiegel nicht so weit steigt, dass die Menschen verdrängt werden.

Tourismus als Segen und Fluch zugleich

Der Tourismus ist hier mit das wichtigste Standbein und die Einwohner tun alles, damit es wächst. Ohne die Hauptrücksicht auf die Natur zu legen, werden Resorts erbaut und wir kommen her, um eine schöne Zeit zu verbringen. Für einige Einheimische bedeutet der Tourismus Millionengewinne, die meisten aber werden noch weiter an den Armutsrand gerückt. Denn häufig werden nicht die Einheimischen, sondern noch günstigere, aber auch qualifiziertere Arbeitskräfte aus beispielsweise Bangladesh eingestellt. Viele Malediver müssen ihre Familien nach Indien ausquartieren, da das Leben hier zu teuer wird. Und auch der Tourist möchte einerseits die tolle Natur hier genießen, so wie ja auch ich, andererseits schadet es dieser in zunehmendem Maße...

Es gibt also ziemlich viel hinter den Kulissen, die man als Urlauber so nicht sieht. Erst eine Auseinandersetzung mit der Thematik offenbart einem die Hintergründe. Aber ich erzähle im nächsten Eintrag mal etwas zu unserem Hotel.