Berlin - All I Want For Christmas Is You

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Neu in Berlin. Da darf ich noch schwärmen. Von der Hauptstadt und ihren Möglichkeiten, von den Clubs und der Musik, von den Menschen und den Geschichten, die sich hier ereignen. Die Stadt hat mich gekriegt.
Obligatorisches Touristenfoto vor dem Brandenburger Tor muss auch s

Obligatorisches Touristenfoto vor dem Brandenburger Tor muss auch s

Ströeer-Weihnachtsfeier mit meinen t-online-Kollegen

Ströeer-Weihnachtsfeier mit meinen t-online-Kollegen

Unterwegs bei Nacht

Unterwegs bei Nacht

Unterwegs bei Tag

Unterwegs bei Tag

Bereit für die Clubs!

Bereit für die Clubs!

Typical U-Bahn-Station-Foto

Typical U-Bahn-Station-Foto

Lang ist er her, mein letzter Eintrag. Und so viel ist schon wieder passiert. Der aktuelle Stand besagt: Ich LIEBE Berlin und ich werde hier so schnell nicht mehr weggehen. Ich bin Mitte August hergezogen, aber war den gesamten September an der Journalistenschule in Hamburg (die im Übrigen ziemlich der Knaller war!). Also sage ich immer, so richtig in Berlin wohne ich seit dem 9. Oktober. Das sind jetzt knapp zehn Wochen. Und in diesen zehn Wochen hat mich die Stadt gekriegt…

Die Menschen - egal ob völlig durchgeknallt, gechillt oder gleichgültig - das Stadtbild, die Geschäfte, Shops, bars und Cafés, die Vielfalt, die Möglichkeiten, die Clubs, die Technoszene… Der Stadt braucht man nichts vormachen, sie hat alles erlebt und gesehen. Der Stadt ist egal, was du machst. Und das mag ich. Dieses Gefühl von riesiger Freiheit. Es juckt hier niemanden, wenn du crazy Kleidung trägst. Es interessiert keinen, wenn du morgens um elf aus dem Club kommst und durch die Stadt nach Hause schleichst. 

Ich bin neu, ic­h darf noch so schwärmen

Und es gibt noch so schöne Ecken, ja auch hier in Berlin, mit tollen Gebäuden und netten Straßen, aber trotzdem schlummert an allen Orten das abgefuckte. Nirgends ist es schöner als hier, draußen vor einem Café zu sitzen und die vorbei schlendernden Menschen zu beobachten und hier und da einen Satz aus dem Gespräch aufzuschnappen. Eines späten mittags (was für Berlinverhältnisse morgens ist, denn der Morgen beginnt am Wochenende frühstens um elf), saß ich nach einer langen Clubnacht mit Carolin und Kerstin in Friedrichshain. Wir waren fertig. Alle anderen um uns herrum waren fertig (ok, vielleicht nicht alle, aber es waren sicher viele). Ich fühlte mich total wohl unter Leuten zu sein, die auch so ein aufregendes Wochenende hatten. Und von diesen Wochenenden und Menschen gibt’s hier jede Menge. Und auch Frühstück gibt es schon mal um 15 Uhr. Und dann wird es wieder dunkel. Das ist gar nichts Ungewöhnliches.

Schlendert man durch die Straßen, kann einen in jeder Gasse, um jede Ecke etwas Neues überraschen. Man muss schon mit so vielen Eindrücken umgehen können.

rechts links oben hinten vorne wuselt und rauscht es. da geht die sonne unter, der himmel färbt sich pink, dann fährt die s-bahn vorbei. es wird grün, schnell über die straße huschen mit zig anderen. in die geschäfte lugen, da ist ein schönes café, oh und das hier gefällt mir. was da gibt es den laden "lululemon"?! dachte den gibt es nur in amerika. wo sind wir? grad keine orientierung. eine gruppe drängt sich vorbei. die sind aber crazy angezogen. tyisch berlin. muss ich mir merken. und da ist der alex. er taucht einfach auf. ist fast immer da. als orientierung. und da, der nächste weihnachtsmarkt. oh, glühwein nur drei euro. günstig. achtung, rot! egal, kommt grad nichts. und zack, fast von der s-bahn überfahren. guck mal, da liegt ein obdachloser ohne decke. der atmet komisch. ob wir ihm helfen sollten? lass uns zur polizei gehen. bescheid gesagt und weiter gehts. um die ecke ins shopping center. überflutung an lichtern und dekoration. und so geht es tag für tag.

Selbst ich, die von Neuem nicht genug haben kann, merke, wie mein Kopf nach einem Tag unterwegs vollgeladen ist. Da brauche auch ich Zeit für mich.

Stolz ein Teil der t-online-Redaktion zu sein

Und in meinem Job bin ich auch nicht gerade wie in einen Kokon gehüllt. Es ist die meisten Tage sehr aufregend bei t-online.de. Vor allem, wenn ich mehrere Projekte habe, die voran getrieben werden müssen. Ich versuche viel, mit anderen Ressorts wie Video, Grafik und Social zu kommunizieren, damit die Artikel möglichst viel Mehrwert bieten. Da bin ich am Tag schon ordentlich in Action. Es macht mir wirklich unglaublich viel Spaß in dieser Redaktion arbeiten zu dürfen. Ein Teil davon zu sein – und so viel lernen zu dürfen.

Ich merke aber auch, wie ich mich sehr stark unter Druck setze. Ich bin so froh, dass ich dieses Volontariat bekommen habe, dass ich Angst habe, jemanden zu enttäuschen und nicht den Erwartungen zu entsprechen. Aber dafür, dass ich vorher noch nie geschrieben habe, mache ich meine Sache denke ich ganz gut bisher.

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich viel lernen möchte. Dass es das ist, was ich mir von dem Volontariat unter anderem wünsche. Ich würde sagen, dass das gut funktioniert. Die Journalistenschule, der Joballtag, aber auch Workshops, die uns angeboten werden, bringen viel neues Wissen. Bei dem Workshop von Peter Linden zum Thema Storytelling bin ich wieder ganz aufgeregt gewesen. Wenn jemand aus der Praxis, der tolle Reportagen schreibt und wirklich weiß, was er sagt, einem Tipps und Ratschläge gibt, dann sauge ich das auf! Dann möchte ich auch endlich soweit sein, dass ich raus kann, dass ich tolle Geschichten schreiben kann! Aber dafür ist ja nun der Grundstein gelegt. Und t-online ermöglicht einem schon einiges. Ich darf weiter gespannt sein.

Week-Sophie und Weekend-Sophie

Und neben meinem Joballtag gibt es noch das zweite Leben an den Wochenenden. An denen ich nur morgens nach der Nacht im Club das Tageslicht sehe, schlafen gehe und aufwache, wenn es wieder dämmert, um erneut loszuziehen. Auch das ist sehr aufregend.

Ritter Butzke, Hoppetosse, Kater Blau, Sisyphos, Heideglühen, Birgit&Bier: Die Technoclubs in Berlin, die ich bisher erleben durfte, sind der Wahnsinn. Es gibt noch so viele mehr, aber ich bin ja noch lange da, um sie zu besuchen. Viele Clubs sind wie kleine Dörfer aufgebaut. Mit Terrassen und offenen Außenbereichen, mehreren Dancefloors, manchmal wie ein Labyrinth, in dem man erst einmal Orientierung bekommen muss. Alles ist bunt und liebevoll dekoriert mit vielen Details. Natürlich ist es schäbig und abgeranzt, aber wie soll es sonst sein in einem richtigen Club, der schon viel gesehen hat? Für mich auf jeden Fall nicht schick und edel. Die Toiletten sind unisex und vollgeklebt und vollgeschrieben.

Es gibt keine Spiegel, wahrscheinlich damit sich niemand vor sich selbst erschrickt. Die Nächte sind schließlich lang und anstrengend und für viele auch nicht nach einer Nacht vorbei. Clubs wie der Kater haben von Samstag bis einschließlich Montag geöffnet. Falls man zwischendurch Pause braucht, stehen genügend Chillecken und Sofas bereit. Im Sisyphos gibt es Hängematten. Kein Grund also, den Club beim Morgengrauen zu verlassen. Das Wochenende will schließlich gelebt und nicht verschlafen werden.

Die Kameras müssen an der Tür meistens abgeklebt werden. Finde ich gut. Man betritt quasi einen geschützten Raum, eine eigene Welt. Hier halten nicht alle ihr Handy hoch, jeder ist bei sich und seinen Freunden und nicht im Smartphone-Stress. Außerdem braucht man keine Angst haben, irgendwo ungewollt auf Fotos aufzutauchen.

Die Club-Techno-Szene lässt bestimmte Muster erkennen

Wer schon einmal in Berlins Technoszene gefeiert hat, weiß, was ich meine. Man kann es nicht anders sagen: Berlin und seine Partys sind komplett verdrogt. Koks wird einem hier hinterhergeworfen, der Schnee liegt quasi auf der Straße. Wer es noch nicht aus den medien erfahren hat: In Berlin verkehren Koks-taxis, die wie Pizzalieferdienste auf Abruf vorbei kommen und das weiße Pulver verkaufen. Schon verrückt. Und auf den unisex Toiletten im Club, die nur 2 qm groß sind, drängen sich immer mindestens drei Personen. Und das nicht, um zu pinkeln. Die Partys sind hier nicht nach 12 Stunden, sondern auch mal nach 30 bis 60 Stunden zu Ende. Und hier haben wir das Problem: Ich habe beständig das Gefühl, etwas zu verpassen, sobald ich mal nicht unterwegs bin.

Eine sehr schöne Nacht hatte ich Mitte Dezember in der Heide (eigentlich Heideglühen). Eine Woche vorher hatte ich ein Mädel und ihre Freunde in der Hoppetosse kennenglernt. Das ist ein Club auf einem Schiff mit zwei Dancefloors und einem Chillbereich. Die Gruppe schwärmte mir und meiner Freundin von dem Club Heide vor. Es sei „der beste Club, mit dem besten Vibe, den chilligsten Leuten“. Alles klar. Da muss ich hin. Sie lud uns dann tatsächlich zu ihrer Geburtstagsfeier eine Woche später ein. Bei ihr Zuhause glühten wir mit ihren Freunden vor. Alle, die da waren, waren echt tolle Menschen. Ich hab mich sofort wohlgefühlt. Wenn alle in der Heide so sind, dann wird es ein gelungener Abend.

Und was soll ich sagen? Der Vibe unterschied sich tatsächlich zu dem der anderen Clubs. Nicht, dass es in den anderen Clubs schlecht wäre – auf keinen Fall, ich liebe es - aber ich merke feine Unterschiede. Das hängt bestimmt damit zusammen, dass es in der Heide relativ hell ist. In den meisten anderen Clubs ist es schon sehr dunkel. Und es lief auch kein dunkler Techno, sondern gute Laune House-Funk, Minimal. Also entspanntere Musik. Die Feiergesellschaft war sehr aufgeschlossen und flirty unterwegs, man konnte sich gut sehen... Sonst ist es eher mehr Richtung DJ gewandt und jeder bei sich und seinen Leuten, hier mischte sich alles bunt durcheinander. Und dadurch haben wir wieder einige neue Leute kennengelernt. Darunter auch eine Brasilianerin und eine Kandierin. ganz liebe Mädels. Ob wir die wiedersehen, oder ob das nur ein Feier-Gerede war a la „Lass uns auf jeden Fall mal was zusammen machen“ wird sich zeigen. Aber bei den Hoppetosse-Leuten hat es auch geklappt. Aber alles entspannt, jetzt kommt erst einmal Weihnachten in der Heimat und dann schnell zurück nach Berlin!

Was mir noch auffällt:

  • In Berlin tragen Menschen ständig irgendein unhandliches Zeug durch die Gegend und transportieren es in der Bahn: Schränke, Bretter, Regale, Instrumente, Stühle, Tische.
  • Es wird immer, egal wann, Bier getrunken. Ich sehe mindestens eine Person pro Bahnfahrt mit Bier in der Hand. Gefällt mir.
  • Es ist immer mindestens eine schräge Person zu sehen, die mit sich sebst redet, schreit, komsiche Dinge tut oder sich anders auffällig verhält.
  1. Beispiel: Ich stand an der Station bei 6 Grad. Gegenüber tanzte ein leicht bekleidetes Mädel Ballett am Bahnsteig.
  2. Beispiel: Ich kam aus der U-Bahn und oben wusch sich eine Frau in einer Pfütze zwischen den Beinen, eine Shampooflasche stand neben ihr.
  3. Beispiel: An der Warschauer Straße rastete ein komplett tattowierter Mann aus und ging auf seine Freundin los. Er hatte überall unter seiner Haut rechteckige Implantate. Mit Gewalt veruschte er, die Bahn aufzuhalten, die Türen auseinanderzureißen. Ein Spektakel...